ABB schliesst die Sim-to-Real-Lücke

ABB Robotics integriert Nvidias Omniverse-Bibliotheken in seine Simulations-Suite Robotstudio und erreicht damit nach eigenen Angaben 99 Prozent Übereinstimmung zwischen virtueller Planung und realer Roboterleistung.


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Quelle: ABB Robotics


Warum das wichtig ist

Roboter virtuell trainieren und das Ergebnis 1:1 in die Fabrik übertragen: Daran scheiterten Hersteller bisher an der sogenannten Sim-to-Real-Lücke. Unterschiede bei Licht, Materialien und Physik machten Simulationen zu ungenau für die Serienfertigung. Wer diese Lücke schliesst, verändert die Spielregeln für den Einsatz physischer KI in der Produktion.

Die Neuigkeit

ABB Robotics hat am 9. März 2026 die Integration der Nvidia Omniverse-Bibliotheken in Robotstudio angekündigt. Das daraus entstehende Produkt, Robotstudio HyperReality, soll ab der zweiten Jahreshälfte 2026 für alle 60 000 Robotstudio-Nutzer verfügbar sein. Foxconn testet die Technologie bereits in einem Pilotprojekt für die Montage von Unterhaltungselektronik.

Was schliesst die Lücke technisch?

ABB bringt zwei eigene Technologien ein, die kein Wettbewerber in dieser Kombination hat. Der Virtual Controller ist eine exakte Kopie der realen Robotersteuerungssoftware, nicht bloss eine Annäherung. Die Absolute-Accuracy-Technologie reduziert mechanische Ungenauigkeiten laut Hersteller von 8 bis 15 Millimetern auf 0,5 Millimeter. Nvidia liefert dazu physikalisch realistische Simulationen und synthetische Trainingsdaten über die Omniverse-Bibliotheken.

Was bringt das in Zahlen?

  • Inbetriebnahme: Einrichtungszeiten verkürzen sich laut ABB-Analyse um bis zu 80 Prozent
  • Kosten: Verzicht auf physische Prototypen spart bis zu 40 Prozent
  • Time-to-Market: Markteinführung komplexer Produkte beschleunigt sich um bis zu 50 Prozent

Wo läuft der Praxistest?

Foxconn montiert Kleinteile in der Unterhaltungselektronik, verschiedene Modellvarianten, filigrane Metallstrukturen, enge Toleranzen. Bisher verursachte das aufwendiges Debugging. Mit Robotstudio HyperReality trainiert Foxconn Montageroboter virtuell mit synthetischen Daten und überträgt die Ergebnisse mit 99 Prozent Genauigkeit in die Produktionslinie.

Das sagt ABB dazu

Marc Segura, President von ABB Robotics: «Dank der Simulationstechnologien von Nvidia haben wir die sogenannte Sim-to-Real-Lücke geschlossen. Dadurch ist der Weg frei, physische KI in der Industrie weltweit Realität werden zu lassen.»

Was steckt dahinter?

ABB positioniert sich mit dieser Partnerschaft als Plattform für physische KI in der Industrie. Die Strategie: Wer die genaueste Simulation liefert, kontrolliert den Zugang zur KI-gesteuerten Fertigung. Dass Nvidia seine Omniverse-Bibliotheken in ein bestehendes Ökosystem mit 60 000 Nutzern einspeist, zeigt: Der Grafikchip-Konzern setzt im Industriebereich auf etablierte Robotik-Partner statt auf eigene Hardware.

Für wen ist das relevant?

Fertigungsbetriebe, die Roboterzellen heute noch physisch einrichten und testen, profitieren direkt. Besonders interessant für Branchen mit kurzen Produktzyklen und vielen Varianten: Elektronik, Automotive, Konsumgüter. Auch kleine und mittlere Hersteller sollen Zugang erhalten, das US-Unternehmen WORKR demonstriert auf der Nvidia GTC entsprechende Systeme, die ohne Programmierkenntnisse bedienbar sind.

Unterm Strich

ABB und Nvidia schliessen eine Lücke, an der die Industrierobotik seit Jahren arbeitet. Ob die 99-Prozent-Genauigkeit in der Breite hält, werden die Monate nach dem Marktstart zeigen.

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Textquelle: ABB Robotics | Lesedauer: ca. 8 Minuten


ABB Robotics und Nvidia bringen physische KI in die Industrierobotik

ABB Robotics integriert die Nvidia Omniverse-Bibliotheken in seine Programmier- und Simulations-Suite Robotstudio. Das Ziel: Industrieunternehmen sollen physische KI in realen Robotik-Anwendungen einsetzen können. Das resultierende Produkt, Robotstudio HyperReality, wird ab der zweiten Jahreshälfte 2026 verfügbar sein.


Zwischen virtueller Planung und realer Fabrikleistung klaffte bisher eine technologische Lücke. Unterschiede bei Licht, Materialien und physikalischem Verhalten machten es schwierig, Fertigungsprozesse rein virtuell zu planen und die Ergebnisse zuverlässig auf reale Roboter zu übertragen. ABB und Nvidia adressieren dieses Problem mit zwei technologischen Komponenten: hochpräzise Simulationen über die Nvidia Omniverse-Bibliotheken und synthetische Trainingsdaten, die zum Trainieren physischer KI-Modelle eingesetzt werden.

Zwei Technologien schliessen die Lücke

ABB verfügt über einen Virtual Controller, eine exakte Kopie der Originalsoftware, die den Roboter steuert. Dadurch stimmen Simulation und reale Performance laut Hersteller nahezu perfekt überein. Die Absolute-Accuracy-Technologie reduziert mechanische Ungenauigkeiten von ursprünglich 8 bis 15 Millimetern auf 0,5 Millimeter. Die Kombination ergibt nach ABB-Angaben eine Übereinstimmung von 99 Prozent zwischen Modell und Realität.

Entwickler können Roboter als digitale Zwillinge abbilden und synthetische Daten sammeln, die zum Trainieren physischer KI-Modelle dienen. Die Foundation Models werden in Robotstudio HyperReality kontinuierlich durch Rückmeldungen aus der Praxis verbessert. Jede beliebige Anzahl von ABB-Robotern lässt sich damit an jedem Standort trainieren.

Effizienzgewinne laut ABB-Analyse

Die Technologie verspricht messbare Vorteile: Einrichtungs- und Inbetriebnahmezeiten verkürzen sich um bis zu 80 Prozent. Der Verzicht auf physische Prototypen senkt die Kosten um bis zu 40 Prozent. Die Markteinführung komplexer Produkte beschleunigt sich um bis zu 50 Prozent. Diese Zahlen basieren auf einer internen Analyse von ABB Robotics.

Bild von links: Vergleich zwischen der klassischen RobotStudio‑Simulation und dem neuen RobotStudio HyperReality von ABB Robotics sowie einer realen Aufnahme derselben Roboterzelle. Durch die Integration der beschleunigten Rechen- und Simulationsleistung von NVIDIA kann RobotStudio HyperReality riesige Mengen hyperrealistischer Simulationen erstellen, mit denen Roboter trainiert werden können. Diese Simulationen berücksichtigen unterschiedliche Beleuchtungsbedingungen, Texturen, Materialien, Farben, Winkel – alles, was ein Roboter in einer realen Fabrikhalle vorfinden würde. (Bild: ABB Robotics)

 

Foxconn als Pilotkunde

Foxconn, der grösste Auftragsfertiger für Elektronik, testet den ersten Anwendungsfall in der Fertigung von Unterhaltungselektronik. Die Montage von Kleinteilen ist dort besonders anspruchsvoll: verschiedene Modellvarianten erfordern unterschiedliche Produktionsmethoden, und die empfindliche Metallstruktur filigraner Bedienelemente verlangt hochpräzise Steuerung beim Greifen und Montieren.

Bisher führte das zu zeitaufwendigem Debugging und hohem Engineering-Aufwand. Mit Robotstudio HyperReality trainiert Foxconn Montageroboter virtuell. Durch synthetische Daten werden Produktionsprozesse in verschiedenen Szenarien getestet, bevor sie mit 99 Prozent Genauigkeit in die Produktionslinie übernommen werden.

Dr. Zhe Shi, Chief Digital Officer von Foxconn: «In der Fertigung von Unterhaltungselektronik ist Präzision alles. Bisher war dieses Mass an Genauigkeit und Detailtreue in Simulationen und digitalen Zwillingen schlichtweg nicht erreichbar. Dank fortschrittlicher KI-Inferenz können wir Engineering-Prozesse parallelisieren, die Produktion schneller hochfahren und unsere Produktentwicklung insgesamt beschleunigen.»

Bild: Simulation in RobotStudio (oben links) im Vergleich zum neuen RobotStudio HyperReality von ABB Robotics. (Bild: ABB Robotics)

 

WORKR macht die Technologie für KMU zugänglich

WORKR, ein kalifornisches Robotik-Unternehmen, überträgt die Technologie auf kleine und mittlere Hersteller in den USA. Auf der Nvidia GTC 2026 (16. bis 19. März in San Jose) präsentiert WORKR KI-gestützte Robotersysteme auf Basis von ABB-Technologie, die mit Nvidia Omniverse-Bibliotheken ausschliesslich mit synthetischen Daten trainiert wurden.

Die Roboter lassen sich laut WORKR ohne Programmierkenntnisse bedienen. WORKR hat ABB-Robotik mit der eigenen KI-Plattform WorkrCore kombiniert. Die Roboter erlernen neue Aufgaben innerhalb von Minuten und können von jedem Mitarbeitenden bedient werden. Ken Macken, CEO von WORKR: «Gemeinsam mit ABB und Nvidia beweisen wir, dass fortschrittliche Automatisierung für Hersteller jeder Grösse funktioniert.»

Bild: RobotStudio HyperReality von ABB Robotics im Vergleich zu einem realen Bild derselben Roboterzelle in einer Fabrik. (Bild: ABB Robotics)

 

Weitere Integrationen geplant

ABB Robotics prüft die Integration der Nvidia Jetson Edge-Computing-Plattform in seine OmniCore-Steuerung. Ziel ist Echtzeit-KI direkt am Roboter für das gesamte Portfolio. Die Partner bauen damit auf eine bestehende Kooperation auf: Bisherige Zusammenarbeit umfasste die Integration der Nvidia Jetson-Plattform in autonome mobile Roboter mit KI-gestützter Navigation (Visual-SLAM-Technologie) sowie gemeinsame Arbeiten an KI-Rechenzentren.

Marc Segura, President von ABB Robotics: «Seit mehr als 50 Jahren treibt ABB Robotics industrielle Automation voran. Wir haben Pionierarbeit bei der Entwicklung der ersten Generation vollelektrischer Industrieroboter geleistet, Simulationen mit digitalen Zwillingen mithilfe von Robotstudio eingeführt und einen neuen Typ autonomer und vielseitiger mobiler Roboter auf den Weg gebracht. Durch die Zusammenarbeit mit Nvidia machen wir nun den flächendeckenden Einsatz physischer KI in der Industrie möglich.»

Deepu Talla, Vice President of Robotics and Edge AI bei Nvidia: «Die Integration von Nvidia Omniverse-Bibliotheken in Robotstudio verbindet unsere fortschrittliche Simulation und Rechenleistung mit der virtuellen Steuerungstechnologie von ABB Robotics. Das beschleunigt den Prozess, mit dem Hersteller jeder Grösse komplexe Produkte auf den Markt bringen.»

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Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau

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