Humanoide Roboter
Humanoide Roboter stehen im Mittelpunkt des TUM RoboGym

Die Technische Universität München und Neura Robotics planen ein grosses Robotik-Trainingszentrum am Münchner Flughafen. Auf 2300 Quadratmetern sollen künftig Hunderte Robotersysteme mit realen Daten trainiert werden. Ziel ist es, Europas Rolle in der intelligenten Robotik zu stärken.


Textquelle: Technische Universität München
Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau

Die Technische Universität München (TUM) baut ihre «Industry on Campus»-Strategie weiter aus und startet gemeinsam mit dem Unternehmen Neura Robotics ein gross angelegtes Robotikprojekt. Im sogenannten TUM RoboGym sollen künftig Roboterfähigkeiten systematisch trainiert und weiterentwickelt werden.

Das Zentrum entsteht im TUM Convergence Center am Münchner Flughafen. Dort wollen Forschende des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (TUM MIRMI) zusammen mit Industriepartnern neue Trainingsmethoden für robotische Systeme entwickeln. Geplant ist eine Infrastruktur, in der Hunderte Roboter gleichzeitig trainiert werden können, darunter auch humanoide Systeme.

Gemeinsame Investition von 17 Millionen Euro

Für das Forschungs- und Trainingszentrum investieren TUM und Neura Robotics gemeinsam 17 Millionen Euro. Den grössten Anteil trägt das Unternehmen mit rund elf Millionen Euro, vor allem für Hardware, Roboterplattformen und deren Wartung. Im Gegenzug profitiert Neura Robotics von den wissenschaftlichen Ergebnissen der Zusammenarbeit.

Professor Achim Lilienthal, wissenschaftlicher Koordinator des RoboGym, sieht darin einen wichtigen Entwicklungsschritt: «Das Zusammenwirken von High-End-Robotiktechnologie und akademischer Forschung in Künstlicher Intelligenz der Spitzenklasse wird der Entwicklung einen gewaltigen Schub geben.»

Die Kooperation ist Teil der strategischen Zusammenarbeit zwischen Universität und Industrie, mit der die TUM gezielt praxisnahe Forschung fördert.

Humanoide Roboter rücken näher an den Alltag

Nach Einschätzung der beteiligten Forschenden wird sich die Rolle humanoider Roboter in den kommenden Jahren deutlich verändern.

TUM-Präsident Thomas F. Hofmann betont, dass humanoide Systeme den Bereich der Science Fiction bereits verlassen hätten. In Zukunft könnten sie Menschen bei zahlreichen Aufgaben unterstützen. Gleichzeitig müsse sichergestellt werden, dass das Zusammenleben von Mensch und Maschine sicher gestaltet wird.

Das neue Trainingszentrum soll dazu beitragen, die Entwicklung solcher Systeme zu beschleunigen und gleichzeitig neue Sicherheits- und Interaktionskonzepte zu erforschen.

Prof. Lorenzo Masia und Prof. Achim Lilienthal von der TUM
Prof. Lorenzo Masia (links) und Prof. Achim Lilienthal von der TUM werden das neue Robotikzentrum am Flughafen München leiten, das in Kooperation mit Neura Robotics entsteht.

 

Der entscheidende Faktor: Trainingsdaten

Ein zentrales Ziel des RoboGym ist der Aufbau grosser Datensätze für robotische Lernprozesse.

Anders als bei Sprachmodellen lassen sich für sogenannte verkörperte KI kaum Trainingsdaten aus dem Internet nutzen. Videos aus dem Web zeigen nur selten konkrete Robotikaufgaben. Zudem lassen sich Bewegungen daraus nur eingeschränkt rekonstruieren. Simulationen wiederum können viele physikalische Effekte der realen Welt nur ungenau abbilden.

Deshalb setzt das RoboGym auf ein anderes Konzept: Menschen trainieren Roboter direkt und bringen ihnen konkrete Aufgaben bei. Beispiele sind etwa das Falten einer Schachtel oder das Zusammenstecken von Bauteilen. Aus diesen Übungen entstehen umfangreiche Datensätze für das maschinelle Lernen. Die Systeme sollen daraus allgemeine Fähigkeiten entwickeln und diese später selbstständig auf neue Aufgaben übertragen.

Offenes Ökosystem für die Robotik-Community

Ein Teil der im Trainingszentrum erzeugten Daten soll der internationalen Robotik-Community zugänglich gemacht werden.

Die beteiligten Partner wollen damit ein offenes Ökosystem für robotisches Lernen schaffen. Gleichzeitig entsteht für Studierende und Forschende eine Infrastruktur, in der neue Konzepte der Robotik und künstlichen Intelligenz praktisch getestet werden können.

Professor Lorenzo Masia, Direktor des TUM RoboGym, sieht darin auch eine strategische Dimension. In Zeiten zunehmenden geopolitischen Wettbewerbs sei es wichtig, eine starke europäische Robotik-Forschung aufzubauen.

Fazit

Mit dem geplanten TUM RoboGym entsteht eine gross angelegte Infrastruktur für das Training intelligenter Robotersysteme. Die Kombination aus industrieller Robotiktechnologie und universitärer KI-Forschung soll neue Datengrundlagen schaffen und damit zentrale Herausforderungen der Robotik adressieren. Gleichzeitig positioniert sich Europa damit stärker im globalen Wettbewerb mit Robotik-Ökosystemen in den USA und China.

 

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